LP SARDH:QUOHREN

SARDH:QUOHREN (LP) aus BLACK online

Mit dem Album „Quohren“ beschreitet die „sächsische Mutter des Industrials“ wieder einmal neue Wege und wenn auch schon von Anfang an Fieldrecordings in den schrundrigen Sound von SARDH eingeflossen sind, widmet sich die A-Seite der Platte diesmal explizit dieser Form der experimentellen Klangforschung. Grundlage dafür war die Tonaufnahme-Sammlung von Heiko Hans-Werner Tietze, welcher schon seit Ewigkeiten dem sächsischen Künstler-Kollektiv verbunden ist und SARDHist Balog daraus eine (ent)spannende Collage moduliert hat. Man wähnt sich beim hören nämlich fast wie in der Dresdner Heide und neben konkret verfremdeten Piano- und Flöten-Klängen, bestimmen Vögel- und Insekten-Geräusche das fast schon audiophile Klangbild. Auf der B-Seite wird es dann richtig ambient-atmosphärisch, denn diese enthält den Mitschnitt des „Painting With Sounds“-Konzert von SARDH vom 28.09.2019, welches damals den Boden für einen seltenen Auftritt des Krautrock-Pioniers Hans-Joachim Roedelius in der Fürstenstadt Dresden bereitete. Der absolut erinnerungswürdige SARDH-Auftakt an diesem Abend war vor Ort sehr urig-dronig und rau, wobei dazu noch der Raumklang und die optische Komponente eine nicht zu unterschätzende wahrnehmbare Rolle gespielt hatten. Extra für die Vinyl-Veröffentlichung bzw. den Eingangs schon erwähnten audiophilen Anspruch wurde das Material aufwendig neu gemastert und angepasst, so dass auch ohne die Live-Räumlichkeit der knapp halbstündige Ambient-Vortrag ordentlich Druck entfalten kann. Im zweiten Part wartet das Set mit einer wirklich fiesen Störpassage auf, die einen sofort zum Plattenspieler rennen lässt, um dann doch beruhigt festzustellen, dass alles seine Ordnung hat. Ab da steigert sich die Darbietung noch einmal deutlich ins bedrohliche und lies sogar den Alt-Meister Roedelius zu dem Prädikat „Eine Genesis“ verleiten! „Quohren“ legt somit eine weitere Facette im schon umfangreichen Schaffen von SARDH frei, die auch diesmal wieder entsprechend kunstvoll-hochwertig präsentiert wird. Die 180g schwere schwarze Platte ist hervorragend gepresst, klingt absolut laufruhig wie sauber und befindet sich in einer gefütterten Innenhülle, was ja leider immer noch kein Standard von aktuellen Vinyl-Veröffentlichungen ist. Diese lobenswerte Qualität wird ebenso mit einer anspruchsvollen Gestaltung Rechnung getragen und so liegt dem Klappcover noch ein von allen SARDH-Mitgliedern signierter Einleger + eine Original Siebdruck-Graphik bei. Die Limitierung von „Quohren“ beschränkt sich dabei auf nur 200 Exemplare, welche auch noch von Hand nummeriert sind. (Marco Fiebag)

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MORPHONIC LAB Info

Wegen der pandemienedingten Auflagen kann das ML XIX leider nicht am 3. Juli nachgeholt werden.

U. a. „Herbst in Peking“ werden zum Jubiläum ML XX am 30. Oktober in der Reithalle Straße E dabei sein. Das vollständige Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

CD SARDH:SONUS

SARDH – Sonus (CD-R) aus BLACK online

Seit rund 30 Jahren ist nun schon das Experimental-Industrial-Künstler-Kollektiv SARDH aus Dresden aktiv, malt Klänge, entwirft multimediale Performanzen und beeindruckt mit deren stimmiger Live-Umsetzung. Doch trotz hoch gelobten und begeisternder Auftritten bei fast allen relevanten Festivals der Industrial- und sogenannten schwarzen Szene ist es schon etwas ernüchternd zu sehen, das SARDH diesen Erfolg leider nie „kommerziell“ für sich nutzen konnten bzw. in sich tragbare Tonträger-Verkäufe umwandeln konnten. Deshalb erscheint das aktuelle Album „Sonus“ wieder mal „nur“ in einer kleinen Auflage von 100 Exemplaren im CD-R-Format, welche jedoch in einem richtigen Presswerk gefertigt wurde und optisch durch ein von Hand gemachtes Siebdruck-Cover veredelt wird. „Sonus“ ist ein Mischpult-Mitschnitt ihres Auftritts beim IV Sons Of An Older Cosmos-Festival 2019 im Hangar 49 in Berlin, welcher auf Grund der Aufnahmequelle „klinisch rein“ daher kommt, die Publikums-Geräusche außen vor lässt und deshalb auch gut als neues Album von SARDH gelten kann! Dem Kontext des Festivals geschuldet, ist das krissilig-sonische Set von SARDH diesmal eher rituell-fließend gehalten und wird massiv durch die tiefe Stimme von Balog in all seinen Facetten dominiert. Außerdem war für diesem Auftritt in der Hauptstadt das Musiker-Kollektiv personell verschlankt worden bzw. nur zu Viert aktiv, denn für mehr Musiker hätte die Bühne des Hangar 49 auch nicht Platz geboten. Trotzdem offenbart das auf den ersten Blick so minimal wirkende Set nach einigen Hördurchgängen doch mehrschichtige Soundebenen, die einem subtil in ihren Bann ziehen. Die rund 45 Minuten von „Sonus“ sind somit ein interessantes und atmosphärisch repräsentatives Hörbild des SARDHischen Könnens, wie eine empfehlenswerte aktuelle Visitenkarte der einst als „Saxonischen Mutter der Ritualmusik“ bezeichneten Formation! (Marco Fiebag)

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